Allem voran muss ich sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle, das Heimweh ist gewichen (auch dank meines ersten(!) eigenen Festnetztelefons, mit dem ich kostenlos nach Deutschland telefonieren kann) und ich habe den Mittelweg zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen eigener Familie und Gasteltern, zwischen großer Schwester, Hausdrachen und Kumpel für die Kinder gefunden. :)
Es ist viel passiert im letzten Monat - wie könnte auch nicht viel passiert sein, ich bin in Paris, hier ist immer was los!
Ich werde versuchen, die Highlights zu beschreiben, die guten wie die schlechten, einiges werde ich vergessen, denn jeder Tag hier ist anders.
Nach meinem letzten Post war das erste Highlight eine Woche, in der ich mich mit den Kindern richtig gut, mit dem Vater dafür weniger gut verstanden habe.
Der kam immer gestresst und mit einem extremen <<mauvaise humeur>> nach Hause und hatte an einfach allem, was ich gemacht oder nicht gemacht hatte, etwas auszusetzen.
Einmal war ihm das Badewasser zu wenig und zu kalt, danach war es ihm zu viel und zu heiß, das Essen erst zu kalt, dann der Teller zu heiß usw usf...
Das hat mich abends ganz schön runtergezogen und ich hoffte jedes Mal, er würde doch noch ein klein wenig länger in der Arbeit bleiben, denn sobald er heimkam brach immer das Chaos aus.
Nathalie ist ihm dann glücklicherweise auch einmal beim dîner über den Mund gefahren, als er wieder grundlos etwas zu meckern hatte. Sie ist eine unheimlich tolle Gastmutter, meine Freundin, sie kann sich auf mich verlassen und ich mich auf sie, wir plaudern, sie bietet mir ständig Hilfe und Essen ;) an und nimmt mir auch so sehr viel Arbeit ab. In jener Woche hat sie sich sehr für mich eingesetzt und mir geholfen.
Am Montag darauf hatte ich das Gefühl, sie hätte mit meinem Gastvater über sein Benehmen geredet, der war nämlich garnichtmehr schlecht drauf und machte mir sogar mal ein Kompliment, was meine Arbeit anging.
Nun hat sich die Situation total entspannt, Hugues ist mit mir sehr zufrieden, wir haben auch einmal sehr lange "geplaudert", obwohl er auch zuhause in seiner Freizeit normalerweise immer telefoniert und mit dem Kopf noch bei Auktionen ist.
Das nächste Highlight war Francks Geburtstag, bei dem die Hälfte der Eingeladenen deutsch, die andere Hälfte französisch war.
Das war ganz lustig, denn nur Franck und ich waren imstande, beide Seiten gut zu verstehen, der Rest hat sich auf Englisch ausgetauscht, es waren aber auch ein paar französische Schüler von Franck da, die wirklich gut Deutsch sprachen. Und es waren sehr viele junge Leute, ich habe so viele nette Menschen kennengelernt, auch viele, die nur eine Straße weiter von mir weg wohnen und zu denen ich immer gehen kann, sollte irgendetwas nicht so kommen, wie es soll. Doch in der Hinsicht bin ich sehr zuversichtlich, die Familie erscheint nun perfekt für mich. :)
Mit Francks Geburtstag habe ich auch alle meine Wintersachen bekommen, die eine Bekannte aus Deutschland mitgebracht hatte, es war wie Weihnachten, um halb zwei in der früh noch Winterjacke, Winterschuhe, deutschen Tee und Erkältungsmedezin auszupacken!
Danach kam auch der Wintereinbruch und ich konnte die Sachen gut gebrauchen.
Es wurde schlagartig kalt wie in Deutschland, ich bin jedoch mit den Kindern trotzdem sooft es nicht geregnet hat, in den Park zum Spielen gegangen.
In dieser trüben Zeit habe ich mit Anika einen wundervollen DvD-Abend gemacht, mit Leader-price-Caramel-Popkorn von Franprix und Orgeuil et Préjugés ("Stolz und Vourteil"). Wir lieben die selben Filme und die gleiche Musik, das ist erstaunlich und so toll, jemanden wie sie gefunden zu haben, die noch dazu ganz in meiner Nähe wohnt!
Aber auch die anderen Freunde und Freundinnen wollen nicht vernachlässigt werden, heute Abend übernachte ich bei Linda, morgen ist eine Tagesfahrt vom Vij nach Versailles geplant, wo Musik- und Wasserspiele im Garten auf uns warten und am Sonntag gehe ich in den Kirchenchor, in dem ich das Durchschnittsalter erheblich senke und der am Ende des Jahres eine Fahrt nach Leipzig veranstaltet.
Lustig, ich gehe nach Paris, um im Sommer nach Leipzig zu fahren. :)
Dort werden wir bei einem Konzert singen, mal schauen, was das wird - on verra.
Die Kinder sind toll, manchmal so richtig schön zum Kotzen und dann wieder zuckersüß, aber alles in allem gehe ich jeden Abend mit einem guten Gefühl aus der Wohnung und freue mich, dass es den Kindern gut geht. :)
Jules ist manchmal schwieriger, er hat immer Phasen, in denen zwischen uns einfach Spannung in der Luft liegt und jeder Abstand vom anderen hält, aber das geht immer schnell vorbei, besonders wenn wir uns streiten (wegen ungemachter oder schludriger Hausaufgaben) und er eben den Kürzeren zieht, weil ich ja doch mit dem Satz "Keine Hausaufgaben - kein Park" am längeren Hebel sitze.
Vorgestern beispielsweise wollte er erst die Hausaufgaben nicht machen, bis ich ihn dazu gezwungen habe, dann wollte er sie mir nicht zeigen, bis ich ihn dazu gezwungen habe, und am Schluss musste er alles nochmal machen, weil einfach alles falsch bzw. unvollständig war.
Dazu hab ich ihn dann unter meiner Aufsicht in die Küche gesetzt, was aber schlussendlich doch geholfen hat, die Hausaufgaben waren einwandfrei am Schluss.
Abends hat er mir dann sogar ein Bild gemalt und mich gefragt, wie man <<saison>> schreibt, was bei ihm schon sehr bemerkenswert ist, da er sonst immer zu stolz ist, mich zu fragen.
Gestern Abend kam er dann zu mir und wollte unbedingt, dass ich mich neben ihn setze zum Hausaufgabenmachen, er wollte sehen, wie ich schreibe und war ganz begeistert von meiner Schreibschrift, wir haben die Hausaufgaben zusammen gemacht, ich habe ihm Tipps gegeben und alles hat super geklappt.
Dafür hat Alice wieder ziemlich geheult, weil ich wieder babysitten musste, obwohl das die letzten anderen male eigentlich immer super geklappt hat. Es ist nur schwierig, wenn die Eltern heimkommen, um sich wieder zu verabschieden. Wenn sie gleich ganz fernbleiben, ist es für die Kinder leichter.
Nachdem ich dann noch eine Liebeskomödie mit Julia Roberts angeschaut habe, von der ich nur die Hälfte verstanden hab, was nicht zuletzt daran lag, dass ich ja erst um viertel zehn eingeschaltet hab wegen der Kinder, hab ich mich schlafengelegt, um um halb eins wieder aufzustehen, um errfolgreich und zum ersten Mal Alice in den Schlaf zu singen. Sie hatte gehustet und ist aufgewacht, und um sie zu beruhigen, hab ich dann "fais dodo" gesungen, ein Schlaflied mit schönem Text, mit "Schlaf Kindlein, schlaf" zu vergleichen, nur eben viel schöner.
Der Text geht so:
"Fais dodo, Alice(Jules, Miriam je nachdem) ma petite soeur,
Maman est en haut, qui fait du gâteau,
Papa est en bas, qui fait du chocolat.
fais dodo, Alice ma petite soeur, fais dodo...."
usw usf.
Das Lied hat eine total schöne, beruhigende Melodie.
Beim Waffelnbacken war ich auch letzten Sonntag mit Linda, da ging irgendwie alles schief, mit ihr war ich auch in einem riesen Einkaufszentrum, dem "Forum des Halles", leider waren wir Samstags da, es war der Horror, halb Paris ist in dieses Einkaufszentrum gestürmt!
Das Architekturmuseum in meiner Nähe ist klasse, der Audioguide auf französisch war allerdings etwas schwer verständlich. ;)
Alors, das wars für dieses Mal, ich mach mir jetzt deutschen Tee und geh mein Bettzeug waschen,
Bisous!