La journée parfaite
Heute war ein perfekter Tag. Es ist mir heute etwas Wundervolles passiert.
Am Morgen war ich im Chor (leider wie immer verspätet), habe gesungen und nebenbei mit meiner Sitznachbarin Büchertipps getauscht, da sie so angetan von „Le Parfum“ war.
Danach war ich im Gottesdienst, der heute mit einem wundervollen Krippenspiel bereichert war, und habe mich auf meinen Platz – man könnte ihn schon fast „Stammplatz“ nennen – in der rechten hinteren Ecke gesetzt, der immer frei ist, da man dort recht ungestört hinter einer Säule sitzt . Um meinen Freundinnen „Hallo“ zu sagen, die das Krippenspiel organisiert hatten und somit ganz vorne saßen. Als ich mich wieder nach meinem Platz und meinen Sachen umsehen wollte, sprach mich eine Frau auf Deutsch an, die ich zwar kannte, von woher hatte ich jedoch vergessen. Ich war an diesem Morgen nach dem Chor so auf Deutsch geprägt, dass ich erst merkte, dass die Frau Französin war, als sie mir erklärte, sie sei mit ihren Enkeln hier, da ihr Enkelsohn seit einem Jahr Deutsch in der Schule hatte.
Da ich gerade extrem gut gelaunt war, habe ich ihn einfach nett gefragt, wie es ihm geht, und zu meiner Überraschung antwortete der Knirps in akzentfreiem Deutsch, es ginge ihm gut.
Als ich schließlich wieder in meiner stillen Ecke saß und minutenlang darüber gegrübelt hatte, woher ich denn nun diese Frau kannte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen:
Diese Frau wohnt mit ihrem behinderten Mann in der Wohnung genau über meiner Gastfamilie, das heißt, im selben Gebäude wie ich.
Da ich gerade extrem gut gelaunt war, habe ich ihn einfach nett gefragt, wie es ihm geht, und zu meiner Überraschung antwortete der Knirps in akzentfreiem Deutsch, es ginge ihm gut.
Als ich schließlich wieder in meiner stillen Ecke saß und minutenlang darüber gegrübelt hatte, woher ich denn nun diese Frau kannte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen:
Diese Frau wohnt mit ihrem behinderten Mann in der Wohnung genau über meiner Gastfamilie, das heißt, im selben Gebäude wie ich.
Ich hatte sie nicht erkannt, da sie ihren Mann nicht dabeihatte und normalerweise kannte ich sie nur von kurzen Begrüßungen im Hausflur oder auf der Straße. Ihr Mann kann seine linke Hand nicht benutzen und tut sich sehr schwer mit dem Gehen, ich habe auch das Gefühl, dass er manchmal sehr schlecht sieht und seine Außenwelt nur am Gehör erkennt, dennoch war es heute anders, weshalb ich mir nicht sicher bin. Vermutlich hatte er einen Schlaganfall.
Glücklich über die neu gewonnene Erkenntnis habe ich mir dann noch das wundervolle Krippenspiel angesehen und auf das Ende der Messe gewartet.
Glücklich über die neu gewonnene Erkenntnis habe ich mir dann noch das wundervolle Krippenspiel angesehen und auf das Ende der Messe gewartet.
Zum Glück hatte ich mich heute nicht für das allsonntägliche Waffelbacken eintragen lassen, eigentlich mit der Absicht, heute zum ersten Mal seit Monaten wieder etwas Sport zu machen, nämlich etwas für mich völlig untypisches: Laufen, und um mir den Stress und den Geruch von heißem Fett einmal zu ersparen.
Als es soweit war, ging die Frau mit ihren beiden Enkeln an mir vorbei und ich stand auf, um mich höflich von ihr zu verabschieden, als sie mir anbot, mich mit heim zu nehmen, da sie mit dem Auto da sei. Da die Busverbindung sonntags zur Kirche k*cke ist und man bis zur dreckigen, mit komischen Leuten gefüllten Métro in jede Richtung eine Viertelstunde laufen und danach dreimal umsteigen muss, nahm ich das Angebot gerne an.
Wir marschierten also in Richtung Auto und ich bot mich an, ihre zahlreichen Bücher, die sie gekauft hatte, zu tragen. Als wir das Auto erreichten, fiel ihr noch ein, beim Obstladen gegenüber etwas Obst für sich und ihre Enkel zu kaufen und so tigerten wir denn mal zum Obstladen auf der anderen Straßenseite. Und da geschah das erste Wunder des Tages:
Sie fragte mich, ob ich Mandarinen möge und auf meine Zustimmung hin kaufte sie mir die gleiche Menge wie für sich und fragte den Verkäufer noch nach der besten Qualität.
Im Auto hatte ich dann ein wenig ihre zweijährige Enkelin mit den Bildern in den Büchern, die ich trug, unterhalten. Und als wir zuhause ankamen, geschah das nächste Wunder:
Sie fragte mich, ob ich Mandarinen möge und auf meine Zustimmung hin kaufte sie mir die gleiche Menge wie für sich und fragte den Verkäufer noch nach der besten Qualität.
Im Auto hatte ich dann ein wenig ihre zweijährige Enkelin mit den Bildern in den Büchern, die ich trug, unterhalten. Und als wir zuhause ankamen, geschah das nächste Wunder:
Sie lud mich zum Mittagessen zu sich ein, und da ich schon mit den Gedanken bei den Nudeln war, an denen ich schon drei Tage allein in meinem Zimmer aß, nahm ich auch diesmal dankend an.
So verabredeten wir uns für halb zwei bei ihr im dritten Stock.
Kaum war ich in meinem Zimmerchen angekommen, erwischte es mich eiskalt:
Was sollte ich nur als Gastgeschenk mitnehmen?!
Möglichkeiten (Possibilités):
Kaum war ich in meinem Zimmerchen angekommen, erwischte es mich eiskalt:
Was sollte ich nur als Gastgeschenk mitnehmen?!
Möglichkeiten (Possibilités):
- Angefressener, herrlich duftender Camembert von Franprix
- Deutsches Buch (da sie sich für Deutschland interessierte) – leider keine gute Lösung, denn das einzige, das ich dahabe, ist „Die Physiker“ von Dürrenmatt und gehört nichtmal mir, sondern meinem Exfreund – das schied also aus
- Französisches Buch – schied leider aus, da sich die Bücher, die ich mir gekauft hatte, eher nicht für eine weise Frau eigneten und sie sowieso genug Geld hat, um sich Bücher zu kaufen, die ihr auch gefallen
- Süßigkeiten
- Selbstgebackene Plätzchen, die leider etwas unsüß und sehr sättigend geworden sind
Ich entschied mich für die letzte Möglichkeit, die erschien mir doch als etwas persönlicher und noch dazu nicht käuflich. Glücklicherweise hatte ich die noch nicht alles gegessen…
So stand ich denn um kurz vor halb zwei vor der Tür und traute mich nicht, zu klingeln.
Es ist in Frankreich eher unhöflich, pünktlich oder gar zu früh zu kommen, aber ich war so aufgeregt, dass ich auch gleichzeitig Angst hatte, zu spät zu kommen. Also hab ich noch ein wenig auf mein Handy geguckt, die Tür bewundert und dann schließlich doch geklingelt.
Es machten mir auch gleich mit einigem Lärm die beiden Kinder auf und da ich eh immer noch etwas zu früh war, machte es mir auch nichts aus, als die Frau mir sagte, sie sei fast fertig mit dem Essen und ich solle doch derweil auf dem Sofa Platz nehmen.
So unterhielt ich mich mit den Kindern, ich war unheimlich beeindruckt von Bartholomé, 11 Jahre, der sich unglaublich erwachsen benommen hat, mich unterhielt und gleichzeitig auf seine Schwester aufpasste. Danach schob er seinen Großvater, der im Rollstuhl saß, in den Salon an den Esstisch. Dieser begrüßte mich sehr herzlich und gab mir zu meiner großen Überraschung einen Handkuss, was mir bisher noch nie passiert ist. Nachdem sich die kleine Enkeltochter noch mit mir hinter einen riesigen Canapé, das vor einem immensen alten Wandteppich stand, verstecken wollte, kam auch schon die Dame mit einem Servierwagen in den Salon und wies die Plätze zu. Ich saß gegenüber der Gastgeberin und zur Rechten des Hausherrn, rechts von mir die Kinder.
Es gibt eine goldene Regel bei den Franzosen bei Tisch. Die lautet:
Eine Frau schenkt sich nie selbst Alkohol ein, schon gar nicht Wein, egal ob roten oder weißen. Der Mann hat dafür zu sorgen, dass die Gläser bei Tisch immer gut gefüllt sind.
Eine Frau schenkt sich nie selbst Alkohol ein, schon gar nicht Wein, egal ob roten oder weißen. Der Mann hat dafür zu sorgen, dass die Gläser bei Tisch immer gut gefüllt sind.
Diese goldene Regel habe ich zum ersten Mal richtig hier im dritten Stock erlebt, als mir klar wurde, dass der elfjährige Junge aufgrund der Behinderung des Opas die Rolle des Gastgebers übernommen hatte und allen Champagner einschenkte. Es war ein unheimlich schönes Essen, es gab recht merkwürdige Blumenkohl-Fricadellen mit Pilzen, danach Purée, Käse, als Dessert Apfel- und Birnentarte und danach noch Pralinen. Der betagte Herr hatte mich zuvor noch in einem unglaublich etablierten Französisch gefragt, ob ich einen Toast auf die deutsch-französische Freundschaft annehmen würde und auf mein „Avec plaisir“ hin haben wir gemeinsam angestoßen und ich war ernsthaft erfreut über soviel Annäherung zweier Kulturen und so unglaublich große Gastfreundschaft bei einer solchen Familie, die es wohl als letzte nötig hätte, eine 18 jährige Ausländerin mit recht annehmbaren Französisch einzuladen, die weder Geld hat noch Beziehungen und die einfach nur „nounou“ zweier Nachbarskinder ist.
Ich habe beim Tischabräumen geholfen, erstens, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, und außerdem wollte ich zweitens einmal den Servierwagen fahren…
Nach dem Essen haben sich die nette Dame und ich noch kurz in der Küche über Politik unterhalten und über die prekäre Lage der deutsch-französischen Zusammenarbeit, wenn Sarkozy Holland weichen muss, danach wurden die Kinder zum Siesta-Machen geschickt (auf dem riesigen Canapé vor dem Wandteppich), und ich habe mit dem Herrn angefangen, Kaffee zu trinken, wobei er mir den Unterschied der Wortbedeutungen zwischen einem Sessel und einem schicken Ohrensessel erklärte. Danach habe ich ihm noch geholfen, die Zeitung zu lesen und schließlich hat er sich verabschiedet, um ein wenig auszuruhen.
Die Verabschiedung war ebenfalls etwas Besonderes, in Deutschland bedankt sich immer der Gast, eingeladen worden zu sein, hier bedankte sich das Ehepaar unzählige Male dafür, dass ich die Einladung angenommen hatte. Nachdem sich also zu meiner Verblüffung der nette Herr so dankbar gezeigt hatte, dass ich gekommen war, wünschte er mir noch einen schönen Tag, drehte sich um und fuhr mit dem Rollstuhl drei Meter von mir weg, um sich mit dem Rücken zu mir auszuruhen. Das war aber total in Ordnung, da er sich ja vorher wie es sich gehörte, von mir verabschiedet hatte. Danach habe ich noch eine wunderbare halbe Stunde mit der Dame Kaffe getrunken, wir haben uns über unsere Familien unterhalten, uns Geschichten erzählt und sie hat mir ein paar Worte beigebracht, beispielsweise den Unterschied zwischen einer Mauer und einer Wand. Solche Feinheiten in der Sprache sind der Schlüssel zur Kultur und ich bin ihr sehr dankbar für dieses Wissen.
Die Verabschiedung war ebenfalls etwas Besonderes, in Deutschland bedankt sich immer der Gast, eingeladen worden zu sein, hier bedankte sich das Ehepaar unzählige Male dafür, dass ich die Einladung angenommen hatte. Nachdem sich also zu meiner Verblüffung der nette Herr so dankbar gezeigt hatte, dass ich gekommen war, wünschte er mir noch einen schönen Tag, drehte sich um und fuhr mit dem Rollstuhl drei Meter von mir weg, um sich mit dem Rücken zu mir auszuruhen. Das war aber total in Ordnung, da er sich ja vorher wie es sich gehörte, von mir verabschiedet hatte. Danach habe ich noch eine wunderbare halbe Stunde mit der Dame Kaffe getrunken, wir haben uns über unsere Familien unterhalten, uns Geschichten erzählt und sie hat mir ein paar Worte beigebracht, beispielsweise den Unterschied zwischen einer Mauer und einer Wand. Solche Feinheiten in der Sprache sind der Schlüssel zur Kultur und ich bin ihr sehr dankbar für dieses Wissen.
Danach haben wir uns herzlich verabschiedet und damit endete auch schon mein wundersames Erlebnis. Ich war danach im Nieselregen zum ersten Mal seit vier Monaten joggen um ein bisschen über das Geschehen nachzudenken und mich einfach zu freuen, danach war ich heiß duschen und habe den restlichen Abend lesend mit Tee im Bett verbracht, um dann nachts vor lauter kreisenden Gedanken über dieses Mittagessen nicht einschlafen zu können.
So habe ich mich entschlossen, dies alles hier festzuhalten, um ja kein Detail eines Tages zu vergessen.
« On ne voit bien qu’avec le coeur. L’essentiel est invisible pour les yeux. »
« On ne voit bien qu’avec le coeur. L’essentiel est invisible pour les yeux. »
de Antoine de Saint-Exupéry (Le Petit Prince)